Notizbucheinband aus Leder von William Hannah

Es ist Ewigkeiten her, dass ich hier etwas gepostet habe nun habe aber etwas hier, was ich euch vorstellen möchte, daher lasse ich den Blog für heute wieder aufleben.

Seit inzwischen zwei Jahren nutze ich ein neues Notizbuch. Das Format meines Ringbuchplaners in Personal gefiel mir nicht mehr, die Seiten sind für mehr als kurze Notizen einfach zu schmal und zu klein. Außerdem ist das Verhältnis der Außenmaße des Planers selber zur Papiergröße eher dürftig. Der Planer ist fast so groß wie ein A5 Blatt, während das Papier von der Fläche nur ein bisschen größer ist als A6. Die Ringe sind groß, der Planer dick und beim Papier fällt immer ein Rest beim Zuschnitt ab. Das A5 Format ist einfach die optimale Papiergröße für mich.

So hatte ich mich zu der Zeit erneut auf die Suche nach dem für mich perfekten System gemacht und dabei viele Ideen gehabt und wieder verworfen. Eine dieser vielen Ideen war, angeregt durch das Notebook von Filofax, einen Notizbucheinband aus naturfarbenem Blankleder selber zurecht zu schneiden, welcher über die Jahre eine herrliche Patina entwickeln würde. Ich hatte sehr genaue Vorstellungen, da ich meine Ansprüche inzwischen recht gut kenne.
Wichtig war mir, dass ich die Seiten einzeln sortieren kann und das nicht nur am Anfang, sondern immer wieder. Ich weiß nie, wie viel Platz ich für ein Thema brauche und möchte gerne alles gesammelt eingeheftet haben. Außerdem brauche ich einen Ort, wo ich lose A4 Blätter sicher verwahren kann, ohne dass sie gleich verloren gehen. Eine Stifteschlaufe sollte ebenfalls dabei sein. Diese Flexibilität gepaart mit den Verstaumöglichkeiten ist nur schwer zu finden.

Der Plan stand also, die Maße für die Aufteilung hatte ich auch schon, fehlte eigentlich nur noch das Leder.
Ich war mit meiner Idee für die Bindung aber noch nicht zufrieden, mein Plan war, Buchringe zu nehmen und sie entweder im Standardabstand mit zwei Stück einzusetzen, oder mich an die Ringbücher mit sechs Ringen zu halten. Was mir daran nicht gefiel war hauptsächlich die Handhabung, dass ich jeden Ring einzeln öffnen müsste, um die Blätter zu entnehmen oder einzusetzen. Was bei zwei Ringen möglich ist, kann bei sechs Ringen schon umständlich werden.
Die Spiralbindung des Notebooks hat den großen Vorteil, dass die Blätter durch die Spirale auch oben und unten noch fixiert sind und nicht nur mittig, wodurch sie sich leicht verdrehen können. Daher fing ich an, nach Möglichkeiten zu suchen, solch eine Befestigung zu kopieren.
Meine Suche führte mich von noch mehr Buchringen, über das Prinzip der Midoris und selber zurecht gebogene Drähten, bis hin zum Exabook, welches aber nur ein über eine Schiene in einem Einband fixierter Spiralblock ist. Also wieder nichts mit Blätter sortieren.
Seit Jahren schon verfolge ich das Atoma-System, welches heute an vielen Stellen auch unter anderen Namen zu kaufen ist. Es besteht aus mehreren Discs, in die die Blätter mit einer Speziallochung wie beim Notebook rein gedrückt werden. So fing ich an darüber zu grübeln, wie ich die Aluminium-Discs (gibt es auch aus Kunststoff, aber ich wollte ja was Haltbares aus einem schönen Material) in meinen Einband bekomme. Die letzte Idee war, sie zu durchbohren und mit einer Schiene wie beim Exabook im Leder zu fixieren.

Ich stieß auf der Suche nach Anregungen zum Nachbau auf ein Foto, welches mich sehr neugierig machte. Es zeigte nämlich genau diese Discs mit einem großen Loch in der Mitte, am Rand durch einen dünnen Stab verbunden, in einem Ledereinband. DAS ist meine Lösung! Wo bekomme ich das her? Ich landete über ein paar Umwege auf einer Seite aus UK, die genau diese Einbände entwickelt hatten und verkaufen. Noch das ein oder andere Review später war ich überzeugt, dass ich hier meine Lösung gefunden hatte. Aber bekomme ich die Schiene mit den Discs auch einzeln? Ich hatte wenig Hoffnung, während mich die Reviews von ganz tollen Einbänden überzeugten. Das absolute Totschlagargument kam, als ich las, dass der Locher von Staples zu den dort vertriebenen Discs passt (sie bieten keinen eigenen Locher an), zwar nicht exakt gleich ist, aber eben passt. Eigene Einlagen kreieren und drucken ist also möglich.

Na gut, Marke Eigenbau wurde kurzerhand über Bord geworfen, während ich mir nun überlegen musste, welche Farben ich denn bitte möchte. Wie bei Roter Faden oder VDS kann man hier entweder fertige Kombinationen nehmen, oder selber konfigurieren. Meine zuerst ausgewählte Kombination entpuppte sich außen als dunkelgrün, was mir zwar an sich gut gefällt, in der Kombination als (hoffentlich) jahrelanger Begleiter dann aber nicht mehr so. Also konfigurierte ich mir einen Einband aus naturbraunem Leder außen mit petrol innen. Uff, 30 Pfund teurer.
Auf der verlinkten Instagramseite des Herstellers fand ich ein Foto mit dem braunen “whiskey” außen und orange innen. Eigentlich ist orange ja nicht unbedingt meine Farbe, aber in der Kombination wirkte es irgendwie natürlich und harmonisch passend. Genau so wurde es dort auch beschrieben “manche Kombinationen sind bunt, andere wiederum eher schlicht, wie diese”. OK, ich nehme diese fertige Kombination, natürlich mit passender Stifteschlaufe, und werde hoffentlich damit glücklich.
Mein Blog hier ist Zeuge, dass ich selten dauerhaft bei etwas bleibe. Gerade bei meinen Notizbüchern bzw. Planern habe ich schon viel probiert. X17, Roter Faden, Filofax, Gillio, VDS, no name,…

Die nächste Frage war, welches Papier möchte ich? Es gibt blanko, liniert, kariert und auch punktkariert! Das Tolle ist, dass man 60 Blätter auswählen kann, dabei in 10er Schritten unterschiedliches Papier. Sprich, ich habe die Möglichkeit sechs verschiedene Lineaturen mit meinem Einband zu bekommen. Oder eben weniger in größerer Menge.
Dem ganzen wird noch einer drauf gesetzt, indem die Farben der Lineatur in allen für die Innenseite verfügbaren Farben zu haben sind. Damit wird die Auswahl groß – und schwer. Mir war klar, ich möchte punktkariertes Papier haben, da dieses einfach mein absoluter Favorit ist. Aber auch liniert ist sehr praktisch.
Es lief darauf hinaus, dass ich 60 Blatt liniert in orange, passend zum Innenleben gewählt habe und einfach zusätzlich 100 Blatt graues punktkariertes Papier dazu bestellte. Dann noch ein kleines Päckchen mit “Samples”, also alle Lineaturen in allen Farben.

Und ab da hieß es warten, bis der Postbote endlich das Paket brachte.

Es dauerte auch nicht lange, bis der Einband kam. Schön verpackt überstand er seine Reise ohne Schäden, als ich den Karton öffnete, kam mir gleich ein herrlicher Ledergeruch entgegen. Das Leder ist in der Tat ein absoluter Traum. Weich, robust und eine sehr schöne Farbe.
Ich musste immer wieder an meinem neuen Planer “schnüffeln”, wer mich dabei beobachtet hat, muss mich für völlig verrückt erklärt haben. Ich liebe einfach den Geruch von gutem Leder.
Was mir sehr gefällt ist, dass der Einband problemlos offen oder geschlossen liegen bleibt. Das zeugt von wirklich sorgfältig ausgewählten Materialien.
Auch die Ringe sind sehr hochwertig verarbeitet und weisen keine Macken auf. Die Größe ist für meinen Zweck absolut ausreichend, es passt genug hinein, aber nicht so viel, dass ich anfange Archive mit mir herum zu tragen. Der oberste Ring ist mit einer Nummer graviert, die jeden Einband identifizierbar macht.
Das Innenleder bietet eine ausreichend stabile Schreibunterlage, wobei ich selbst aber zum Schutz Einsteckhüllen und dickeres Papier am Anfang und am Ende habe. Die erste Seite ist sowieso mit wichtigen Informationen zu mir und mit Notfallkontakten beschriftet und laminiert.
Die Stiftschlaufe wird mittig auf der Vorderseite angeschraubt und ersetzt die Schraube mit dem Logo. Hinten unten ist noch eine Prägung des Herstellers vorhanden.
Bei anderen Disc-Systemen wird öfter das Klappern der Ringe auf dem Tisch als störend empfunden, da die Ringe hier vollständig im Einband liegen, gibt es keine lauten Geräusche.

Nimmt man alle Seiten heraus, lassen sich die Ringe senkrecht auf dem Stab verschieben, wobei sie aber in zwei Abschnitte unterteilt sind, da der Stab oben, mittig und unten in das innere Leder eingenäht ist.

Leider hatte ich nur ein Foto direkt nach der Ankunft bei nur mäßiger Beleuchtung gemacht. Am Ende des Posts sind aktuelle Bilder zu sehen, die vielleicht noch interessanter sind als im Neuzustand.

Das war am 15.09.2017 schon mit perfekt passendem Stift dazu.

Wie sieht es nun nach zwei Jahren Benutzung aus?
Ich habe den Planer nicht besonders geschont, aber auch nicht einfach allen Widrigkeiten ausgesetzt. In meiner Tasche hat er ein paar Kratzer und Druckstellen abbekommen, die das äußere Leder aber problemlos verträgt und eine individuelle Form der Patina entstehen lässt. Die Farbe hat sich meinem Eindruck nach nicht verändert, ist also nicht nachgedunkelt. An einigen Stellen hat sich Schmutz am Leder gesammelt, der dunkle Stellen hinterlassen hat. Das wird aber wahrscheinlich an meiner Arbeitsumgebung liegen, in der der Staub schwarz ist.
Ansonsten sieht er aus wie am ersten Tag, das Leder riecht nicht mehr ganz so intensiv (der habe ich mich daran gewöhnt?), “schnüffeln” geht aber weiterhin. 😉
Ich bin immernoch begeistert und absolut überzeugt von der Qualität. Wer einen hochwertigen Einband mit Ringsystem sucht wird hier bestimmt fündig. Ich kann sie ohne Bedenken empfehlen, die Einbände sind ihren Preis absolut wert, auch wenn jeder wahrscheinlich erst einmal schluckt.

Die Abdrücke und Kratzer lassen sich erahnen.
Hier zeichnet sich die Einschub-Einlage durch den Schmutz etwas ab.
Liegt auch ohne Füllung so schön offen.
Das orangefarbene Innenleder vorne…
…und hinten.
Die Nummer des Einbands und die Ringe mit dem Stab.

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